Jodexzess: Überjodierung unserer Nahrungsmittel

Jodsalz Salzstreuer

Jodiertes Speisesalz weist den ca. 100-fachen Jodgehalt wie Natursalz auf (Bildquelle: Wikimedia Commons, Garitzko (Own work) [Public domain])

Zu hohe Jodbelastungen verursachen mitunter Autoimmunerkrankungen, insbesondere entzündliche Schilddrüsenerkrankungen. Dabei kommt es zu einer Jodverwertungsstörung der Schilddrüse infolge Jodexzess. Letzterer bezeichnet das Jodüberangebot in unseren Lebensmitteln. Der natürliche Jodgehalt des Steinsalzes beträgt ca. 0,2 mg / 1 kg Salz. Der Jodgehalt von jodiertem Speisesalz beträgt ca. 20 mg / 1 kg. Dies entspricht dem 100-fachen Jodgehalt von Natursalz. Viehsalz weist gar einen Jodgehalt von bis zu 300 mg / 1 kg auf. Dies entspricht dem 1500-fachen Jodgehalt von Natursalz. Auf ein Jodüberangebot reagiert die Schilddrüse entweder mit einem Überschuss ihrer jodhaltigen Hormone oder infolge jahrelanger Überforderung mit Einbuße an Schilddrüsengewebe und Mangel ihrer Hormone Thyroxin und Calcitonin (Thyreoiditis Hashimoto). Zugleich erhalten die anderen Organe, oder besser Gewebe (Muskulatur, Drüsen, Haut, Schleimhaut, Knochen) weiterhin zu viel Jod, da es auch fettlöslich ist! Die Abwehr von Jod verursacht entzündliche Reaktionen. Jod ist ein Histaminliberator! Und Histamin wiederum ist ein Mediator entzündlicher Reaktionen (z. B. Psoriasis, Sonnenallergie, Fibromyalgie, Arthritis, Diabetes, M. Crohn). Laut WHO beträgt der tägliche Jodbedarf für erwachsene Personen 0,15 mg1 = 150 µg (Millionstel Gramm!!)

Milchkanne

Konsummilch weist teilweise einen extrem hohen Jodgehalt auf (Bildquelle: Pixabay)

Zahlreiche Lebensmittelhersteller (Bäcker, Metzger, Fischzüchter, Molkereien, Brauereien, Großbetriebe) habe ich angeschrieben mit der Bitte, den Jodgehalt ihrer hergestellten Lebensmittel mitzuteilen! Ohne wesentlichen Erfolg! Da ich auch Leiter der SSHG –Salzburg (Schilddrüsen-Selbsthilfegruppe) bin, ist es mein Anliegen, eine relativ einfache Tabelle über den gegenwärtigen Jodgehalt von Nahrungsmitteln zur Orientierung der Patienten und Konsumenten zustande zu bringen. Dabei wäre eine Deklaration des Jodgehaltes der Nahrungsmittel zweifellos hilfreich. Natürlich gibt es ein mehrfach neu aufgelegtes, unvollständiges Nachschlagewerk über Nährwerte in Lebensmitteln2, jedoch wurden die Werte über Jahrzehnte hinweg nicht aktualisiert. Ein Glück!! Aktuelle Aussendungen Deutscher Ministerien für Landwirtschaft zeigen, dass die angeführten Werte vergleichsweise um das x-Fache übertroffen werden.3,4 Mein schwer zu verwirklichendes Anliegen ist, die Leute aufzuklären und eine Deklarationspflicht zu erreichen. Wie der Konsument unter Kenntnis der Gegebenheiten letztendlich entscheidet, ist seine Angelegenheit. Jod ist ein Spuren- und kein Mengenelement!

Biologischer Pflanzendünger

Biologische Pflanzendünger auf Basis von Meeresalgen sind wahre Jodbomben

Ein Überangebot an Jod verursacht anfänglich eine Schilddrüsenüberfunktion mit späterem Umschlag in eine Schilddrüsenunterfunktion (Thyreoiditis Hashimoto). Jod wird wegen seines leistungssteigernden Potenzials als Dopingmittel nicht nur in der Tier- und Pflanzenzucht eingesetzt, sondern ist auch in Sportlerkreisen willkommen. In Dissertationsschriften der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität München wird das leistungssteigernde Potenzial von Jod belegt! In der Tierzucht findet Jod als Futtermittelzusatz5, in der Pflanzenzucht als Düngemittel in Form pulverisierter oder gepresster Meeresalgen (Jodbomben!) Anwendung.6 Meeresalgen reichern nicht nur Jod an, sondern auch Calzium und somit radioaktives Strontium. Beide Elemente besetzen die gleiche Gruppe im Periodensystem. Inwieweit es dadurch zu einem Eintrag an radioaktivem Strontium (Halbwertszeit ca. 30 Jahre), von radioaktivem Jod131 (Halbwertszeit 8 Tage) ganz zu schweigen, in der Nahrungskette kommt, wäre wert zu untersuchen. Der Körper kann zwischen Calcium und Strontium nicht unterscheiden. Jod wirkt auch insektizid, spart somit Pflanzenschutzmittel ein, und eignet sich für den lukrativen biologischen Obst- und Gemüseanbau. Mitunter wird Jod auch als Konservierungsmittel bei der Herstellung von Salben und Fruchtsäften verwendet. Die hohen Jodgehalte in Fruchtsäften und alkoholfreien Bieren, erhoben im Rahmen von Untersuchungen an der Nuklearmedizin der Universität Innsbruck7, legen diesen Verdacht nahe. Fertigprodukte enthalten in der Regel jodiertes Salz, da Jod nicht nur eine konservierende Eigenschaft hat, sondern auch ein Geschmacksverstärker ist. Auch der Lebensmittelfarbstoff Erythrosin (E127) mit 57,70% Jodanteil wird bei der Konservierung von Cocktailkirschen oder der Herstellung von roten Lippenstiften eingesetzt. Die Produkte sollen durch ein schönes frisches Rot imponieren. Breite Anwendung findet Jod in Form aufbereiteter Meeresalgen (Jodbomben!) bei Gelier- und Verdickungsmitteln (E400–E404). Z.B.: Süßwaren, Fleischprodukten (Sülze). Bei uns werden die Leute jetzt niemals schilddrüsenkrank wegen Jodmangel in der Nahrung!

Natürlich gibt es zu Vitamin D eine Verbindung. Jod wirkt meistens als Oxidationsmittel hingegen Vitamin D als Antioxidationsmittel! Beide müssen sich die Waage halten. Eine gewisse Volatilität ist natürlich. Aber ein chronisches Ungleichgewicht über Jahre stimuliert ständig reaktive Sauerstoffspezies (Reactive Oxygen Species, ROS). Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen, wie z. B. H2O2 (Wasserstoffperoxid), fallen teilweise im normalen Stoffwechsel an. Sie werden jedoch auch vom Immunsystem zur Abwehr von Infektionen und Vergiftungen erzeugt! Chronische ROS-Überproduktion bedingt mitunter zahlreiche Autoimmunerkrankungen wie: Diabetes, Psoriasis, Schilddrüsenfehlfunktionen, Nebennierenunterfunktion, Gelenks- und Muskelschmerzen usw.

Jodismus, ein Krankheitsbild, das in älteren Ausgaben des medizinischen Wörterbuches „Pschyrembel“ noch aufscheint, ist mitunter ein Vorbote einer Schilddrüsenerkrankung. Jedenfalls werden klar Symptome geschildert, die bei verstärkter Jodbelastung mitunter auftreten. Symptome: Jodschnupfen, Jodakne, Jodkonjunktivitis, Jodhusten, Metallgeschmack, Heiserkeit.

Thyreoiditis Hashimoto ist die häufigste Erkrankung, die nach fortgesetztem Jodüberangebot auftritt. Sie ist nicht leicht zu diagnostizieren. Gerne beginnt sie mit einer mehr oder weniger imponierenden Überfunktion, um nach einer verwirrenden Umschlagphase in die Unterfunktion zu gleiten.

  • Symptome: Blutdruckschwankungen, Herzrasen, Kälteempfindlichkeit, teigige Schwellung der Beine, Depressionen, Antriebsarmut, trockene Haut, Heiserkeit, Haarausfall, usw.
  • Diagnose: Ultraschall; Laborbefunde: Schilddrüsenhormonwerte sowie TSH, Schilddrüsen-Antikörper (TPO-Ak, Tg-AK), Jodwerte im Harn
  • Mögliche Therapie:
    • Jodarmut, das bedeutet Ausschalten einer Entzündungsursache (=Vergiftung!). Unjodiertes Speisesalz (= nicht zusatzjodiertes Speisesalz!) z. B. Bad Ischler unjodiertes Speisesalz. Keine Wurst. Der Wurst wird pro 1 kg meistens 20 g jodiertes Salz zugesetzt. Kein Hartkäse. Der Hartkäse reift in der Regel in der jodierten Salzlake. Kein Brot mit Jodsalz. Täglich 3 Liter Wasser trinken.
    • Tabletten: Euthyrox, eventuell Selen. Vitamin D: Einstiegsdosis, abhängig vom Spiegel: 20.000–40.000 I.E. 1–2 Wochen täglich. Anschließend die Erhaltungsdosis: bis 1.500–2.000 I.E. täglich, z.B. in Form von SolVit® D3 – 800 I.E. Hartkapseln. Falls notwendig Therapie mehrmals wiederholen!

Mehr Informationen erhalten Sie in meinen Vorträgen!

Erfahren Sie auf der folgenden Seite mehr über das Gleichgewicht von Antioxidations- und Oxidationsmittel!

Quellenverzeichnis:

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.: Jod-Referenzwerte. Link zur externen Webseite
  2. Souci, S.W.; Fachmann, W.; Kraut, H.: Lebensmitteltabelle für die Praxis. 5. Auflage 2011. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart. ISBN 978-3-8047-2679-6
  3. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Jodquelle Konsummilch. Link zur externen Webseite
  4. Arnold, Claudia: Der Iodgehalt unserer Lebensmittel – wie viel ist wirklich drin? Link zur externen Webseite
  5. Burkard, S.: Jodanreicherung im Süßwasserfisch durch Supplementierung mit Meeresalgen. Ein Beitrag zur Verbesserung der Jodversorgung des Menschen. Vet.Med. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität, München, 2002.
  6. Lognone, Vincent: Algen in der Tierernährung. Link zur externen Webseite
  7. Universitätsklinik Innsbruck: Merkblatt Jodkarenz. Link zur externen Webseite