Redox-Haushalt: Gleichgewicht von Antioxidations- und Oxidationsmittel

Der moderne Lebensstil mit seinen Indoor-Aktivitäten (Sonnenmangel!) hat einen Vitamin-D-Mangel zur Folge. Vitamin-D übt eine wichtige Funktion aus bei der Herstellung von Transportmolekülen zur Aufnahme von Mineralien z. B. im Darm (Calcium, Magnesium, Phosphat) und bei der Bereitstellung von Enzymen (= molekulare Umsatzbeschleuniger) der Redoxketten in den Zellen. Redox ist ein Kunstwort: Red = Reduktion und Ox = Oxidation. Reduktions(mittel) bezeichnet man auch als Antioxidations(mittel). Im Körper sollen sich Antioxidations- und Oxidations(mittel) die Waage halten. Eine gewisse Schwankung ist natürlich.

Unser sonnenfeindlicher Lebensstil, Arbeiten und Leben in Einhausungen sowie Auftragen von Sonnenschutzcreme, falls Sonne scheint, bedingt einen krassen Mangel an Vitamin-D in der Bevölkerung. Der Mangel wird verdeckt durch die ebenfalls viel zu niedrig gehaltenen Referenzwerte (= Richtwerte), die den durchschnittlichen Wert der Bevölkerung repräsentieren. Jedoch leidet die Bevölkerung unter Vitamin-D-Mangel! Ich halte einen Vitamin-D-Referenzwert von 50–70 ng/ml für unbedingt nötig!! Bei der Energiegewinnung (ATP-Erzeugung!) in der Zelle und beim Abwehrkampf des Immunsystems gegen Infektionen und (unterschwellige) Vergiftungen fällt normalerweise täglich ROS (reaktive oxidative Sauerstoffspezies) an. Aber auch der Abbau natürlicher biogener Amine (Adrenalin, Histamin) erzeugt ROS. Der Körper duldet sie nur in kleinsten Mengen. Als ROS bezeichnet man aggressive freie Radikale (H2O2, HO, O2), die als Sauerstoffverbindungen vorliegen. Abgebaut werden diese freien Radikale über Redoxketten, die in der Zelle, je nach Aufgabe unterschiedlich zusammengesetzt, zahlreich vorkommen und verschiedene Funktionen ausüben. Die Kettenglieder wechseln dabei stets vom antioxidativen in den oxidativen Zustand und umgekehrt. Die bekannteste Redoxkette ist die Atmungskette in den Mitochondrien. Kommt es in einer Redoxkette zu einem Mangel an Enzymen, die mit Hilfe von Vitamin D den antioxidativen Zustand der Kettenglieder regenerieren, oder von Kettengliedern selbst, wie z. B. Vitamin C und E, fällt maßlos verstärkt reaktive oxidative Spezies (ROS) an. Auch ein Überangebot eines Kettengliedes kann zum Ausfall der Redoxkette führen. PEROXIDATIONEN sind die Folge. Das bedeutet eine Schädigung von Zellbestandteilen durch Einwirken von ROS. Um die Vertreter von ROS in die Schranken zu weisen, ist einerseits ein ordentlicher Vitamin-D-Spiegel beziehungsweise Spiegel an Antioxidantien (z. B. Vitamin C, E) nötig, andererseits der Anfall von Oxidations(mitteln) auf Sparflamme zu halten. Hier gibt es aber das zweite Problem, nämlich die Überjodierung unserer Lebensmittel.

Jod ist ein Spurenelement und kein Mengenelement wie z. B. Calcium. Der natürliche Jodgehalt unseres Speisesalzes ist 0,2 mg/1kg Salz. In den letzten Jahrzehnten wurde der Jodgehalt angehoben auf 20 mg. Das ist das 100-fache des natürlichen Gehaltes!! Das Viehsalz mitunter auf 300 mg. Das ist das 1500-fache des natürlichen Gehaltes! Jod ist auch ein Oxidationsmittel (Desinfektions- u. Konservierungsmittel)!! Futtermittel werden nicht selten mit Meeresalgen (Jodbomben!!) versetzt und tragen zusätzlich zur Erhöhung des Jodgehaltes bei. Gleichzeitig wurden die Referenzwerte für Schilddrüsenhormone, die mit Jod gespickt sind, und die Jodwerte im Harn nach und nach angehoben, so dass bei erhobenen Laborbefunden es keinen Hinweis auf eine Erkrankung gibt. Ein kritikwürdiger Zustand! Der universelle Einsatz von Jod in Futter- und Düngemittel, im Lebensmittelfarbstoff (Erythrosin E 127) und in Verdickungsmitteln (Meeresalgen E400–E404), als Desinfektions- und Konservierungsmittel sorgt für eine hohe Jodbelastung und einen beachtlich verstärkten Anfall von ROS.

Durch das chronische Ungleichgewicht im Redox-Haushalt, nicht nur im Säure-Basen-Haushalt, über Jahre, kommt es zu krankhaft erhöhten ROS-Verbindungen mit nachfolgenden PEROXIDATIONEN! Malondialdehyd ist ein Marker für die Peroxidation von Fett, Homogentisinsäure von Eiweiss. Die Glutathionperoxidase-Aktivität ist ein Marker für den Antioxidationszustand des Stoffwechsels insgesamt. Der hohe Spiegel an ROS wirkt verheerend und löst zum Beispiel an infolge Abnützung degenerativ veränderten Gelenken starke Schmerzen aus. Autoimmune Erkrankungen (Diabetes, Morbus Hashimoto, Psoriasis, Fibromyalgie, Multiple Sklerose etc.), Malignome, und Schlaganfall sind nur einige der möglichen Folgen.

Um im Falle einer Erkrankung aufgrund einer Entgleisung im Redox-Haushalt eine Genesung zu ermöglichen, ist es unbedingt nötig, den Lebensstil, meistens verbunden mit Sonnenmangel, und die Ernährungsweise, gerne verknüpft mit überjodierten Lebensmitteln, zu ändern. Natürlich erfordert das eine Zeit beanspruchende Vorgehensweise und Ausdauer. Sich auf die Bekämpfung der Symptomatik (z. B. Kortisonderivate, Antihistaminika) zu beschränken, beseitigt die Probleme nicht! Allein das Erforschen jodarmer Lebensmittel in den Supermärkten Mitteleuropas ist anfänglich ein Geduldsspiel. Bei Vitamin-D-Mangel verbleibt einem berufstätigen Bürger in der Regel keine andere Möglichkeit als auf Supplemente zurück zu greifen. Dabei spielt die Zusammensetzung, sofern es sich nicht um ein Monopräparat handelt, eine nicht unwesentliche Rolle.

RNS (reaktive nitrosative Spezies), gleichsam eine Spielart von ROS, wird letzten Forschungsergebnissen zufolge mehr und mehr für zahlreiche Erkrankungen verantwortlich gemacht. Es handelt sich dabei um aggressive Stickstoffverbindungen, wie z. B. dem Peroxynitrit (ONOO), das aus der Reaktion von köpereigenem Stickstoffmonoxid (NO) und Superoxid-Anion (O2) hervorgeht. Durch die Peroxynitrit-Bildung wird zwar das Superoxid-Anion entfernt, aber es ist eine neue wesentlich aggressiver Verbindung entstanden. Peroxinitrit nitrosiert zahlreiche antioxidativ wirkende Verbindungen, raubt Vitamin B12 und spielt bei Migräne, CFG (Chronic Fatigue Syndrom) usf. eine wichtige Rolle. Ein Marker für RNS geprägte Belastung ist Methylmalonsäure.

Aber auch eine hohe psychische Belastung (Prüfungen, Todesfälle, Scheidungen, Missbrauch), nicht nur physiologische, führen zu einer verstärkten Produktion von ROS. Auftretende Stresshormone (= biogene Amine) müssen abgebaut werden und da tritt als Intermediat z. B. H2O2 (Wasserstoffperoxid) auf. Seine schnellstmögliche Beseitigung ist ein Gebot der Stunde. Bei Peroxidase- oder Katalase-Mangel schwer umzusetzen! Unter dem Strich muss an allen Ecken und Enden eine Reduktion von ROS herbeigeführt werden, soll eine Genesung von der Krankheit erfolgen.

Das Ziel soll sein:

  • Vitamin-D-Spiegel zwischen 60–70 ng/ml (auf Kuba üblich!) durch Vitamin-D-Einnahme. Bei Therapiebeginn müssen die Vitamin-D-, Calcium- und Phosphatwerte erhoben werden. Abhängig vom Vitamin-D-Spiegel gibt es eine hohe Einstiegstherapie 20.000–40.000 I.E. täglich für 1–2 Wochen. Gefolgt von einer Erhaltungstherapie: 1.500–2.000 I.E. täglich, z.B. in Form von SolVit® D3 – 800 I.E. Hartkapseln. Notfalls wiederholen!
  • Jodarmut: kein jodiertes Speisesalz, keine Wurst (20 g jodiertes Salz pro 1 kg Wurst), keine mit jodiertem Salz geräucherten Lebensmitteln, kein Brot mit jodiertem Salz (20 g Salz pro 1 kg Brot), kein Hartkäse (reift in der jodierten Salzlake).
  • Bei Verdacht auf Schilddrüsen-Fehlfunktion: Ultraschall der Schilddrüse und Laborbefunde. Einschließlich Jod im Harn!

Mehr Informationen erhalten Sie in meinen Vorträgen!