Vitamin-D: Sonnenhormon und Jungbrunnen

Portrait von Dr. Erich Putz

Dr. Erich Putz ist Mediziner im (Un)Ruhestand und erfolgreich therapierter Patient.

Vitamin D braucht zu seiner Bildung in der Haut des Menschen Sonne und die ist rar geworden. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung leiden im Winterhalbjahr mehr als 65% der österreichischen Bevölkerung unter Vitamin D – Mangel. Für meine Begriffe ist dieser Prozentsatz viel zu niedrig, zumal die in den medizinischen Labors ausgewiesenen, niedrigen Referenzwerte (Richtwerte) von der Bevölkerung Mitteleuropas stammen, die unter chronischem Vitamin D – Mangel leidet. Die meisten Leute haben auch im Sommerhalbjahr einen Vitamin D – Mangel.

Vitamin D wird in der Oberhaut (Epidermis) der Haut unter Sonneneinstrahlung (UVB-Strahlen) gebildet. Der nötige Mindesteinfallswinkel von 45° wird auf unserer geografischen Breite nur im
Sommerhalbjahr um die Mittagszeit erreicht.
Der Klimawandel mit Abnahme der Sonnentage im Sommerhalbjahr (nicht Winterhalbjahr!) und die programmierte, moderne Arbeitswelt in Gebäuden und Einhausungen (Lkw, Pkw) erlauben es kaum, die Sonnenfenster mit freiem Oberkörper um die Mittagszeit zu nützen. Die unüberlegte Anwendung von Sonnenschutzmitteln übt zusätzlich einen nachteiligen Effekt aus, da es sich dabei vorzugsweise um UVB-Blocker handelt und sie nicht nur einen Sonnenbrand sondern auch die Vitamin D – Bildung verhindern. Eine zu trockene Haut, wie sie gerne beim Menschen wegen der zentral geheizten Räumlichkeiten gegen Winterende hin auftritt, schränkt zu Frühjahrsbeginn die Fähigkeit, Vitamin D zu bilden, selbst bei idealen Verhältnissen beträchtlich ein. Auch trägt eine eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr, wie sie gerne von der älteren Generation aufgrund von Schließmuskelschwäche praktiziert wird, zur Ausbildung von zu trockener Haut bei. Man trinkt weniger, um nicht in peinliche Situationen zu kommen. Somit sind die Startbedingungen zum Vitamin D – Tanken mit Beginn des Sommerhalbjahres sehr ungünstig. Der resultierende Vitamin-D-Mangel hat mitunter schwere Erkrankungen des Muskel-, Nerven- und Skelettsystems sowie der Drüsen (Endokrinium) zur Folge. Fibromyalgien, Depressionen, Demenz, Osteoporose, Gelenkschmerzen, Thyreoiditis Hashimoto (Schilddrüsenunterfunktion) sind nur einige Erkrankungen, die weit verbreitet sind. Auch treten frühzeitiges Klimakterium bei Frauen (ab 30!) und Potenzstörungen bzw. Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen auf. Eine Situation die mitunter zu schweren finanziellen und psychischen Belastungen bei Ehepaaren führt. Auch verdichten sich aufgrund der neuesten Forschungsergebnisse Hinweise, dass Vitamin D klar Tumor protektiv wirkt bei Prostata-, Brustdrüsen- und Darmkrebs.

Vitamin-D spielt auch beim Immunsystem eine tragende Rolle. Ein Mangel begünstigt entzündliche Reaktionen, so dass Allergien, Autoimmunerkrankungen, hervorgerufen durch unterschwellige Vergiftungen, oder Infektionskrankheiten, ausgelöst durch Viren oder Bakterien, der Weg bereitet wird. Mit den entzündlichen Reaktionen einher geht üblicherweise die Ausschüttung von ROS (reaktive oxidative Spezies). Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen z. B. H2O2 (Wasserstoffperoxid) duldet der Körper nur in kleinsten Mengen und deren schnelle Beseitigung ist nötig. Eine Aufgabe, die im Falle von Vitamin-D Mangel nur zögerlich erfüllt wird und zu zerstörerischen Peroxidationen in den Zellen führt. Vitamin-D hilft mit bei der Erzeugung der nötigen Enzyme (Umsatzbeschleuniger) zur schnellen Entfernung von ROS. Auch leistet Vitamin-D eine unverzichtbare Hilfestellung bei der Produktion einer tadellosen Schleimhülle durch die Schleimhaut oder eines ordentlichen Säureschutzmantels durch die Haut, so dass endogene Mikroben (körpereigene Bakterien) keine Pathogenität entfalten. Eine Unterversorgung mit Vitamin-D gegen Winterende hin erhöht die Anfälligkeit für Allergien (Baumpollenallergie) und Erkältungskrankheiten zu Frühjahrsbeginn deutlich.

Bei Insassen in Altenheimen kommt es nicht selten zu schreiendem Vitamin D – Mangel mit leidvollen Konsequenzen wie Osteoporose mit Sturzanfälligkeit und schlecht heilenden Knochenbrüchen (Morbus Sudeck!) sowie schweren Depressionen. Die auftretende Symptomatik erschwert die Pflege ungemein. Nicht selten werden die betreffenden Personen immobil mit schwer verkraftbaren Folgekosten. Auftretende Hauterkrankungen wie z.B. Schuppenflechte werden mit Salben und Umschlägen behandelt, ohne den Vitamin D – Spiegel zu berücksichtigen. In meinen Augen eine unverzeihliche Vorgehensweise. Die Medikation von Antidepressiva, Antihypertonika und Analgetika ist üblich. Aber auch Personen, die voll im Arbeitsleben stehen, sind davon betroffen und leiden unter einem Burnout-Syndrom (z.B. Depression, Erschöpfung). Auch chronische Infekte mit Herpesviren (Fieberblasen, Windpocken, Gürtelrose, Pfeiffersches-Drüsenfieber) sind Ausdruck einer Immunschwäche.

Mit Sonnenlicht gegen Vitamin D - Mangel

Der richtige Umgang mit der Sonne beugt Vitamin D – Mangel vor (Bildquelle: Pixabay)

Vitamin-D-Mangel führt auch zu eingeschränkter ATP Bereitstellung in den Mitochondrien (Kraftwerke) einer jeden Zelle. An der Atmungskette, zuständig für die ATP-Bildung in den Mitochondrien, tritt aufgrund von „Kurzschlüssen“ vermehrt ROS, z. B. H2O2 anstatt H2O, auf, jedoch ohne ATP-Produktion. Hohe energiebeanspruchende Syntheseleistungen im Stoffwechsel können nur unvollständig erbracht werden. Auf Dauer ein untragbarer Zustand mit schlimmen Konsequenzen. Beispiele für hohe Syntheseleistungen sind: Zellerneuerung mit kurzen Generationszyklen, Hormon- und Neurotransmittererzeugung, Herstellung von Gelenksschmiere. Auch die Plünderung der eigenen Depots (Knochen!) wegen der gestörten Mineralienaufnahme ist keine dauerhafte Lösung und verursacht Osteoporose. Zusätzlich zur herabgesetzten ATP-Bildung besteht eine eingeschränkte Beseitigung von ROS mangels unter Mithilfe von Vitamin D erzeugter Enzyme. Auf Dauer eine sehr bedrohliche Situation! Schuld ist eine hervorgerufene Resorptionsstörung im Darm von Calcium, Magnesium und Phosphat aufgrund von Vitamin-D-Mangel; Mineralien die für die ATP-Herstellung unumgänglich nötig sind. ATP (Adenosintriphosphat) ist der biochem. Energieträger und nahezu für jede zweite biochem. Reaktion im Körper erforderlich. Ohne ATP läuft nichts! Die übliche Empfehlung, sich mehr zu bewegen ohne das Grundübel zu beseitigen, schafft keine Abhilfe. Im Gegenteil sie erhöht den ATP-Bedarf, ohne diesen befriedigen zu können. Erschöpfung und Müdigkeit nehmen zu. Eine Gewichtsabnahme, sofern nötig, bringt zwar eine vorübergehende Erleichterung, packt aber das Übel nicht bei der Wurzel. Unter dem Strich ist der kunstvolle, zeitaufwändige Umgang mit der Sonne gefragt! Aber wer kann seinen Tagesablauf nach den Sonnenfenstern ausrichten? Niemand. Es muss also mit Supplementen nachgeholfen werden. Tabletten, Kapseln, Tropfen kommen in Frage. Aber im Falle einer Medikation wird in der Regel viel zu niedrig dosiert. Der enttäuschte Patient schmeißt das Medikament verständlicherweise ins nächste Eck, weil es nichts hilft, und bleibt mit seinen Problemen alleine zurück. Mitunter greift er bei einem belastenden Berufsleben (auch Schüler!) aus Verzweiflung zu Drogen (Alkohol, Nikotin, Tranquilizer, Amphetamine). Diese Gegebenheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch soziale Konsequenzen. Unterdosierung aufgrund der zu niedrig gehaltenen Referenzwerte ist meiner Meinung nach eine unerträgliche Form von Desinformation. Man muss klar unterscheiden zwischen Einstiegsdosis (meistens hoch!), um den Mangel zu beheben, und täglicher Erhaltungsdosis:

  • Einstiegsdosis: 20.000–40.000 I.E. täglich, 1–2 Wochen, abhängig vom anfänglichen Vitamin-D-Spiegel
  • Erhaltungsdosis: bis 1.500–2.000 I.E. täglich, z.B. in Form von SolVit® D3 – 800 I.E. Hartkapseln

Für die Aktivierung von Vitamin D und ATP im menschlichen Körper ist Magnesium unabdingbar! Ein Mineral, das den Mengenelementen zugerechnet wird, und in den Lebensmitteln in viel zu geringen Mengen enthalten ist. Verantwortlich sind die Monokulturen und die Düngung mit Vollwertdünger (NPK-Dünger), da ein Überangebot an Kalium die Magnesiumaufnahme in den Pflanzen behindert. Infolgedessen ist ein Vitamin D – Mangel gerne mit Magnesium-Mangel verbunden.

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